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Material sollte eine Geschichte haben

Interview mit Tom Wyss, Gründer von Alte Schule


Was ist die Geschichte hinter der “Alte Schule”?

Die Faszination für alte Handwerke war schon immer vorhanden. Nach der Ausbildung zum Sozialpädagogen habe ich in meiner ersten Arbeitsstätte zusammen mit den betreuten Jugendlichen aus PVC Taschen hergestellt. Die Arbeit mit diesem Material und den Maschinen hat mein Interesse geweckt. Das Sattlern und Arbeiten mit Leder waren anschliessend der Auslöser, um die Idee eigener Produkte voran zu treiben. Im Prozess kam die Idee auch Stoff zu verwenden.

Bei der Herstellung meiner Produkte sind mir von Anfang an reine und natürliche Materialien zum Weiterverwerten wichtig gewesen. Leider sind diese sehr schwer zu finden.

Bei einer Suchabfrage nach dem Begriff “Segeltuch” kam als Suchergebnis ein Rettungstuch der Armee hervor. Die ersten beiden bestellten Tücher wurden noch im Atelier meines damaligen Arbeitgebers weiterverarbeitet. Der erste Rucksack war ein Weihnachtsgeschenk für meine Frau. Auf diesen wurde ich darauf immer mal wieder angesprochen.

©alteschule (Tom Wyss)

Nachdem ich meinen Job gekündigt hatte, orientierte ich mich neu. Ich kaufte mir eine alte Nähmaschine und mietete einen 8 m2 Raum. Die ersten 15 Bestellungen folgten rasch. Anschliessend folgte ein Besuch auf einem Markt mit dem Verkauf von 10 Stück und weiteren 10 auf Bestellung. In der Zwischenzeit arbeite ich auch in unterschiedlichen Pensen wieder auf meinem Beruf. Mit dem Umzug in eine alte Fahrradwerkstatt wurde das ganze jetzt etwas grösser und ich habe Raum, um verschiedenste Materialien einzukaufen und zu lagern.


Mein Interesse endet aber nicht bei einem Produkt - ich habe Mühe damit, etwas wegzuwerfen und kreiere aus vielem neue Produkte.


Was steckt hinter dem Material, welches du verwendest?

Material sollte eine Geschichte haben. Dies ist viel spannender zu verarbeiten und gibt Spielraum für Interpretationen, wofür es früher einmal gebraucht wurde. Weiter produzieren wir Menschen heute bereits genug Abfall, weshalb ich klar gegen den Trend Fast-Fashion schwimme und Kunden auch einmal davon abrate mein Produkt zu kaufen, denn sie sollen lieber ihre Produkte fertig tragen/nutzen.

Welches Material stellt eine Herausforderung für dich dar?

Das Material kommt mir meist spontan in den Sinn. Ich kaufe es dann auf Entsorgungshöfen, Verkaufsplattformen und andere Quellen ein. Materialien zu finden, die rein natürlich sind, ist sehr schwer. Ein Beispiel sind die Fäden, die zum Nähen verwendet werden. Hier sind Kunstfaser-Fäden einfacher zu verwerten. Gerne möchte ich zukünftig Fäden aus recycltem PET verwenden.

Welche Bedeutung hat der persönliche Verkauf und wieso nicht online?

Ohne das Erzählen der Geschichte der Herstellung fehlt dem Produkt ein Stück seiner Seele. Auch können viele Kunden den höheren Preis für ein in der Schweiz, in Handarbeit hergestelltes Produkt nur schwer verstehen. Wenn man die Gründe den Kunden persönlich erklären kann, erhalten diese auch einen Einblick in die Kosten hinter der Herstellung eines Produktes. Des Weiteren gibt einem das Anfassen eines Produktes ein Gefühl, das man online einfach nicht erhalten kann.

©alteschule (Tom Wyss)


Was sind deine Ideen für die Zukunft?

Zukünftig möchte ich gesund wachsen und eine festere Basis als Grundlage bilden. Auch möchte ich das Marketing mit dem Style meiner Produkte in Einklang bringen. Weiter dranbleiben ist das Ziel, egal wie schnell der Fortschritt ist.

Mein Traum ist:

“Wachsen zu etwas, wo es auch möglich wäre davon zu leben und irgendwann mit Mitarbeitern zusammenzuarbeiten.”

Was würdest du anderen empfehlen, die mit Upcycling beginnen möchten?

Einfach probieren und üben, üben, üben. Durch Ausprobieren können tolle Produkte entstehen und Ideen gedeihen.

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